Abgang


Ein junger Mann schläft mit der Frau.

Nun liegt sie dort zur Leichenschau;

man gafft auf die Gebeine.

Bis Acht gewartet aufs Herzblut;

für ihn verloren sein lieb’ Gut.

Nun trauert er alleine.

 

Sie wartet auf ihr einzig’ Kind,

doch ihre Seele nimmt der Wind;

vorbei sind die Sekunden.

Voller Schmerzen tritt er ein,

doch das Krankenbett ist rein;

die Eltern ihm entschwunden.

 

Die Würstchen locken saftig rot,

in ihnen steckt der Gifte Tod –

und Bello beißt genussvoll zu.

Mit leerem Blick schlurft er nach haus’,

dort wartet schon der nächste Graus:

behaartes Tier in letzter Ruh’.

 

Die Welt sieht nun in ihm den Schuft,

der Dreie schleifte in die Gruft,

und will ihn büßen sehen.

Er sucht halt bei seinem Freund,

dem er schon oft ein’ Stein geräumt.

Doch dieser lässt ihn stehen.

 

Die Wahrheit niemand mehr erkennt,

er hört’s, er spürt’s – er springt, er rennt.

Zum Schein des Monds im Abendrot.

Entschwunden ist sein Lebensmut,

denn leben konnte er nie gut.

Er zappelt kurz – und ist dann tot.

 

Die Freude hält nicht länger an,

morgen glaubt der nächste dran.

Dämlichkeit und Selbstjustiz.

Im Himmel erst wird sich es klären,

aus ist’s dann mit finst’ren Mären.

Und was macht Gott? – Er sieht’s!

11.9.08 14:26

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ekel / Website (13.9.08 16:43)
Es tut mir sehr Leid, dass ich durch meinen Kommentar den nächsten Eintrag verschandele. Aber ich möchte gern etwas schreiben, um Dir zu zeigen, dass mindestens ein Mensch es gelesen hat und dass ich mich über jeden Eintrag von Dir hier freue.
Zum Gedicht: Sehr gekonnte Reime, was ich bekanntlich immer bewundere. Allgemein tolle Sprache. Inhalt verstehe ich nicht wirklich so ganz, aber bin froh, dass hier diesmal keine Spaßdichtungen erschienen sind, das hätt ich jetzt nicht verkraftet.
Tschüs




m.i.r. (13.10.08 16:12)
Kommentare verschandeln doch nicht die Einträge! Über einen Kommentar freue ich mich immer. Und bedanken tu ich mich hiermit auch, auch wenn ich meist zu faul bin, auf Kommentare zu antworten. Tut mir Leid.
Dankeschön, dass Du es gelesen hast. Freut mich wirklich sehr.
Ja, mit dem Inhalt ist es immer so eine Sache.. den versteh ich meistens selbst nicht. Danke für das Lob.
Ich hoffe, Dir gehts bald irgendwie besser. Und nimm bitte das Messer aus Deinem Kopf, ja?

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